Schulgeschichte

Die Wurzel des Sondershäuser Gymnasiums und damit auch des Schulgebäudes war die "Stadt- und Landschule Sondershausen". Ursprünglich als Elementarschule gegrün­det, sollte die Anstalt schon um 1500 durch die Angliederung einer Lateinklasse neben dem Elementarunterricht gleichzeitig Schüler auf die Universität vorbereiten.

Im Jahr 1535 entwickelte sich die Schule zu einer zwei Klassenstufen umfassenden „Höheren Knabenschule“. Sie erlebte einen bedeutenden Aufschwung, als Gräfin Elisabeth, die Witwe des Grafen Günther XL., 1559 nördlich der Stadtkirche in der Pfarrstraße ein neues Schulgebäude, die "Elisabethschule", errichten ließ. Die alte Schule, östlich der Kirche gelegen, wurde nun als Mädchenschule genutzt. Im gleichen Jahr gelang ein Ausbau zu einer vierklassigen Lateinschule. Nach der kirch­lichen Schulvisitation von 1587 wurde die Schule um die 5. Klasse erweitert. In dieser wurden sogar Virgil und Cicero (Latein), Isokrates, Hesiod und Theognides (Griechisch) gele­sen, der Status einer "Gelehrten-Schule" war erreicht.

Bei den verheerenden großen Stadtbränden von 1626 und 1657 wurde der ganze Schulkomplex ein Opfer der Flammen. Alle Gebäude mussten neu errichtet werden.

Am 4. Mai 1829 wurde die Stadt- und Landschule Son­dershausen offiziell zum "Humanistischen Gymnasium Sondershausen" erklärt.
Im Jahre 1835 wurde eine Klasse des Gymnasiums als "Real­klasse" eingerichtet, 1843 die Realschule als selbstständige Anstalt unter der Leitung von Prof. Friedrich HÖLZER an­erkannt.

Die immer größer werdende Raumnot im Schulkomplex um die Trinitatiskirche zwang bereits 1840 zum Anbau eines neuen Schulhauses am Trinitatisplatz westlich der Kirche (jetzt Parkplatz), in das die Realschule einzog. Hier unter­richteten 1852 bereits 14 Lehrkräfte 256 Realschüler.


Mehr Platz wurde durch das Aufsetzen eines 3. Stockwerkes auf das Gebäude geschaffen. Die Realschule führte damals, genau wie das Gymnasium, zum Abitur. Erst nach dem Besuch der 6. und 7. Klasse konnten die Schüler den weiteren Weg zum Abitur, entweder über das Gymnasium oder die Realschule, wählen. Beide Schultypen führten die Klassen 5 (Quinta) bis 1 (Prima). Bibliothek, Lehr­mittelsammlung usw. wurden von Gymnasium, Realschule, den Bürgerschulen für Jungen und Mädchen und den beiden Elementarschulen gemeinsam genutzt. Lange Zeit wurden mehrere Schulen von einer Schulleitung geleitet. Sogar die Ausbildung der Volksschullehrer fand im gleichen Schulkomplex statt. Bis zum Jahre 1841 wurden die zukünftigen Volksschullehrer des Fürstentums, auch "Seminaristen" genannt, zusammen mit den Sekundanern und Primanern des Gymnasiums unterrichtet. Sie blieben aber von den Fächern Griechisch und Hebräisch dispensiert und hatten nur eine Wochenstunde Latein. Im Jahre 1841 wurde das erste "Sondershäuser Lehrerseminar" gegrün­det, drei Jahre später, am 1.5.1844, das "Landesseminar zu Sondershausen. 1860 wurde das umgebaute frü­here Waisenhaus neben der Cruciskirche als neues Schulhaus bezogen.
Da bereits in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts auch noch die "Höhere Mädchenschule" (bis Mittlere Reife!) gegründet wurde und im Schulkomplex untergekommen war, nahm der Platzmangel zu. Es fehlte auch eine Aula und die Turnhalle lag am Ostrand der Stadt (die jetzige Trauerhalle am Friedhof).


Im Jahre 1874 wurde erstmals ein Neubau erwähnt, 1875 gab die Regierung eine Denkschrift über einen Schulneubau an den Landtag, der tatsächlich die notwendigen Mittel bewilligte. Letztere stammten aus dem Schwarzburger Anteil der Reparationszahlungen der Franzosen vom verlore­nen Krieg 1870/71.


Der Staat erstand am 27.2.1876 den Baugrund vor dem „Bebrator“. Den Bauplan entwarf Baumeister FRÜHLING, Wernigerode, der auch das dortige Schloss entworfen hatte. Die Bausumme betrug 360.000 Goldmark. Baurat BLEICHRODT und Bauamtsmeister UNBEHAUN sowie Bauführer KÖST leiteten das Baugeschehen.

Die im Mittelbau befindlichen Räume, der Chemie­- und der Physik-Raum sowie der Zeichensaal und die Aula wur­den von Gymnasium (Osthälfte der Schule) und Realschule (Westhälfte der Schule) gemeinsam genutzt. Am 8.10.1881 wurde die Arbeit im alten Schulgebäude in der Pfarrstraße eingestellt, am 17.10. fand dort die offizielle Abschiedsfeier statt. Nach dem Einzug in die neue "Staatsschule Sondershausen" war eine wesentliche Bereicherung des inneren Lebens der Lehranstalten festzustellen. Schulfeiern konnten nun in der Aula vorbildlich ausgestaltet werden, öffentliche Vorträge und Darbietungen wurden geboten.

Seit dem 25.11.1888 stand auch noch die hinter dem Schulgebäude errichtete neue Turnhalle zur Verfügung, wodurch Schulsport und Schulturnverein einen großen Aufschwung erfuhren.

Im Jahre 1908 wurde in der Folge einer von Schulrat FUNCK am 9.1. vorgelegten Denkschrift die Realschule in ein "Real-Progymnasium" umgewandelt, 1918 entstand daraus die "Oberrealschule". Im Jahre 1928 erfolgte die Umwandlung des alten huma­nistischen Gymnasiums in ein "Reformrealgymnasium". In der Folgezeit wechselten die Schulbezeichnungen mehrmals, je nach Wertung von Gymnasium einerseits und Oberrealschule andererseits. Ab 1938 hieß die Schule dann bis 1945 "Oberschule für Jungen Sondershausen". Die Mädchen konnten das Abitur seit 1911 zunächst über die Sondershäuser "Studienanstalt" und dann ab den zwanziger Jahren an der "Aufbauschule" erwerben.

Als zu Beginn der zwanziger Jahre die Schließung des Lehrerseminars diskutiert wurde, begann man mit der Schaffung einer Aufbauschule. Die fast überall in Deutschland entstandenen Lehranstalten ermöglichten den Übergang von der 6. bzw. 7. Klasse der Volksschule in eine Oberschule, die in sieben Jahren zum Abitur führte. Besonders viele Kinder aus den unteren Bevölkerungsschichten nutzten diese Chance mit großem Erfolg. Erst nach der "Demokratischen Schulreform" 1945 - 47 erhielt die Schule 1949 den Namen Oberschule "Geschwister Scholl" Sondershausen.

Als im Jahre 1962 bisherige Grund- und Mittelschulen zu polytechnischen Oberschulen (POS) umgestaltet wurden, bekam die zum Abitur führende bisherige Oberschule die Bezeichnung "Erweiterte Oberschule Geschwister Scholl Sondershausen", kurz "EOS" genannt. Sie führte Jungen und Mädchen ab Klasse neun zum Abitur. Von 1980 an wurden erst die erfolgreichsten Absolventen der POS in die "Abiturstufe" übernommen, so dass diese nur noch die Klassenstufen 11 und 12 führte. Erst ab 1981 war dann das "Einheitliche Bildungssystem" verwirklicht und der direkte Übergang von Klasse 10 der POS zur Klasse 11 der EOS konnte erfolgen. Neben der Oberschule bzw. Erweiterten Oberschule beherbergte unser Schulgebäude lange Zeit auch noch die "Polytechnische Oberschule Geschwister Scholl", einige Jahre war auch die Sondershäuser Förderschule hier mit untergebracht.

Mit der Wende 1989 glich man das ehemalige DDR-Schulsystem dem der BRD an und damit wurde unsere Schule zum "Gymnasium Geschwister Scholl Sondershausen". Von 1991 bis 1995 gab es vorübergehend sogar zwei Gymnasien, das Staatliche Gymnasium "Geschwister Scholl" als sprachliches und das Staatliche Gymnasium "Prof. Dr. Thilo Irmisch" als naturwissenschaftliches Gymnasium. Letzteres war im Borntal untergebracht. Im Jahre 1996 zum "Staatlichen Gymnasium Sondershausen" wiedervereinigt, wurde unserer Anstalt 1998 der frühere Name "Geschwister Scholl" verliehen. Seit der aufwändigen vollständigen Sanierung erstrahlt unser beliebtes, altehrwürdiges Schulgebäude in neuem Glanz und wird noch vielen Schülergenerationen den Weg zum Abitur ermöglichen.

Auf Grund der Baufälligkeit der Einrichtung im Borntal, wurden 2009 die Klassenstufen 5-7 in das Gebäude der „Grundschule Käthe Kollwitz“ verlegt. Die älteren Schüler befinden sich in der vollständig sanierten, beliebten, altehrwürdigen und unter Denkmalschutz stehenden Schulanstalt in der Güntherstraße in Sondershausen.
Quelle: Festschrift zum 125jährigem Jubiläum des Gymnasiums